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USB-Sticks: Gebührenerhöhung um bis zu 1850%

Welt meldet:

USB-Sticks und Speicherkarten werden ab 1. Juli deutlich teurer. Dann greift der neue, einseitig von der Gema festgesetzte Tarif, mit dem die Abgabe auf diese Speichermedien von derzeit 10 Cent auf bis zu 1,95 Euro steigt, …

Die GEMA begründet diese Erhöhung der Urheberrechtsabgabe mit dem technischen Fortschritt, das heißt mit der gestiegenen Speicherkapazität von USB-Sticks und Speicherkarten.

Konkret sehen die Gema-Pläne vor, das die Abgabe von derzeit einheitlich 10 Cent pro Stick oder Karte künftig von der Speichergröße abhängig gemacht wird. Unter vier Gigabyte werden bei USB-Sticks künftig 91 Cent, darüber 1,56 Euro fällig. Bei Speicherkarten steigt der Tarif auf 91 Cent beziehungsweise 1,95 Euro.

Vor dem Hintergrund der zur Zeit tobenden Debatte über das geltende Urheberrecht (die Urheberrechtsabgabe auf Speichermedien gehört in diesen Bereich) scheint die GEMA mit diesem Schritt Stärke demonstrieren zu wollen. Denkbar ist auch, dass hier Claims abgesteckt werden sollen, bevor es eine Reform des Urheberrechts gibt.

Uns ärgert daran besonders, dass wir als Agentur für Speichermedien diese Gebühr an unsere Kunden weitergeben müssen, ohne dass diese irgendeinen Mehrwert davon hätten.

Link zum Welt-Artikel

Sind wir nicht alle ein bisschen böse?

Zur Zeit tobt ja durchs Internet, naja, zumindest durchs deutschsprachige Internet, eine heiße Debatte über eine längst überfällige Reform des Urheberrechts. Ganz undeutsch und eigentlich völlig menschlich, wird da auch richtig unsachlich und fies gefochten; mit Unterstellungen, Stellungnahmen, Statements, Beschimpfungen und wer weiß, was noch alles kommt. Eines der arrogantesten, überheblichsten und fiesesten Statements haben 1.500 Buchautoren losgelassen (Wir sind die Urheber!).

In Reaktion auf das Statement der 1.500 hat Anne Schüssler ein Posting veröffentlicht (Ich bin die Böse), das mit zum Besten gehört, was ich bisher zum Thema gelesen haben. Sie beschreibt darin ihre und also auch unsere Position gegenüber den Urhebern (Autoren, Musikern, Filmemachern etc.), die uns als geizig und gierig beschimpfen, obwohl wir ihre Bücher kaufen, Konzerte besuchen, Kinos und Ausstellungen besuchen. Sie zeigt auch wie sich  die Mediennutzung verändert hat, nämlich die Mediennutzung abhängig vom Geld, dass uns für all die Kulturgüter zu Verfügung steht. Davon ausgehend, dass jeder von uns ein mehr oder weniger festes monatliches Budget für Bücher, Filme, Musik etc. zur Verfügung hat, verteilte es sich früher auf weniger „Urheber“ als heute, wo wir Dank des Internets auch an unbekanntere Künstler herankommen und die Auswahl einfach größer ist.

Aber bevor ich mir hier weiter einen abstottere, hat es Anne so beschrieben, wie auch ich es jederzeit unterschreiben würde. Daher Annes Ich bin die Böse lesen und weiter verteilen!

P.S.: Was ich bei diesem Statement der 1.5000  gar nicht verstehen, ist das sie so tun, als wären sie nur Urheber und nicht auch Leute, die selbst Kunst und Kultur „konsumieren“. Machen die Kunst bis das Wasser im A*** kocht, ohne jemals Bücher zu lesen, Filme zu gucken oder Musik zu hören? Wie bigott ist das denn?

Die CD: Totgesagte leben länger

Mirko Lange hat mit seinem Google+-Posting Ich habe mir jetzt über ACTA meine Meinung gebildet… eine interessante Diskussion über Urheberrecht, Leistungsschutzrecht und Verwertungsrecht angestoßen.

Für mich noch interessanter sind aber die Postings inkl. den Kommentaren im Blog Internet-Law (z.B. Stichpunkt ACTA und  Urheberrecht). Sie haben mir dabei geholfen, die oft populistisch und aggressiv geführte Debatte um Urheberschaft und das Recht auf Verwertung von Werken zu verstehen und sozusagen die Fakten sehen zu können, wenn sich der Schlachtenlärm gelegt und der Pulverdampf verzogen hat.

Ebenfalls sehr aufschlussreich für mich war das empfehlenswerte Interview von brand eins mit dem Richter und Rechtswissenschaftler Karl-Nikolaus Peifer. Er macht darin klar, dass es natürlich ein Urheberrecht geben muss, auch in der digitalen Welt und dass die Urheber eines Werkes auch angemessen entlohnt werden müssen. Stark kritisiert er, dass das Prinzip der „kleinen Münze“ durch die Verfolgung von Urheberrechtsverstößen selbst bei „Werken“ geringster Schöpfungshöhe ins Absurde übertrieben wurde. Wenn Recht nicht gelebt werden kann, helfen auch immer neue Sheriffs nichts, weil sie Unmögliches versuchen sollen: Ein Geschäftsmodell durchzusetzen, dass die Mehrheit benachteiligt.

Und dass auch die digitalen Raubkopierer die schon viele Male totgesagte CD bisher nicht tatsächlich umbringen konnten, belegt Peifer mit dem Zitat:

Es ist immer noch so, dass die alten Erlösmodelle aus analogen Zeiten die ganze Industrie tragen. Die CD etwa hat im Jahr 2010 immer noch mit 88 Prozent zum Umsatz beigetragen.

88% des Umsatzes? Recht lebendig für einen Toten. Oder?