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Gibt es eine Nachhaltigkeitslüge?

Sebastian Nerz von den Piraten hat in der FAZ über die „Nachhaltigkeitslüge“ geschrieben (schon etwas länger her). Anlass für seinen Beitrag war eine Diskussion auf einem Wirtschaftsforum in Reutlingen unter anderem mit Volker Wissing, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FDP im Bundestag, und Meinhard Miegel über „Deutschland auf dem Weg in die Armut“. Nerz kritisiert vorab den inflationären Gebrauch des Wortes „Nachhaltigkeit“ (…wurde häufig genug in den vergangenen Jahren als „Unwort des Jahres“ vorgeschlagen), was ich überflüssig finde, weil es viel wichtiger ist über Inhalte zu diskutieren als über Begriffe (,die natürlich immer auch missbraucht werden können).

Viel düsterer sieht er hingegen die Zukunft für uns als Menschheit und ihre zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Um unseren aktuellen Lebensstil beizubehalten, verbrauchen wir etwa das 2,7-fache dessen, was unser Planet hergibt.

Ich weiß nicht, ob diese Zahl stimmt. Das spielt auch keine Rolle, weil wir das seit Jahrzehnten wissen. Vielleicht wird die Zahl sogar noch größer, weil die Menschen aus den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern auch nach würdigem und komfortablen Lebensstil streben.

Nach dem Aufzählen vieler düsterer Prognosen, kommt Nerz zu dem Schluss, es müsste ein Schlusstrich gezogen werden:

Die schwierigste Erkenntnis dürfte vermutlich sein, dass unser derzeitiger Lebensstil und unser materieller Lebensstandard eben nicht nachhaltig ist. Wir verbrauchen zu viel. (…)
Egal, ob es um regenerative Energien geht, bei denen uns seltene Erden ausgehen, oder um Erdöl, bei dem wir gerade die letzten Ex-Dinosaurier in die Autos tanken: Irgendwann gibt es ein Ende. Aber wir müssen jetzt schon den Schlussstrich ziehen und abrechnen.

Diese „Schlussstrich-Forderung“ gibt es schon seit den Anfängen der industriellen Revolution, glaube ich. Und sie bringt uns auch kein Stück weiter. Genauso wenig wie das Aufzählen von Missständen, düsteren Prognosen und Appellen an die Menschen ihr Verhalten zu ändern.

Ich denke, dass auch dieser Beitrag, wie viele andere zum selben Thema, von nicht ganz korrekten Annahmen ausgeht: Es wird der derzeitige Stand des Wissens, der Technologie und der Gesellschaft linear in die Zukunft verlängert, ohne zu berücksichtigen, dass es in der Zukunft neue Materialien und neue Technologien geben wird, die die Probleme von heute lösen (z.B. Seltene Erden oder Stromspeicherverfahren) können. Es wird davon ausgegangen, es würde für unsere heutigen Probleme in Staat (Überschuldung) und Gesellschaft (Überalterung, Armut) keine Lösung geben, ja wir täten nicht einmal danach suchen. Das stimmt einfach nicht.

Nerz Haltung, die in seinem Beitrag durchscheint, ist mir zu fatalistisch und zu pessimistisch. Wir sollten optimistisch sein. Wir haben allen Grund dazu.

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